Vergangene Semester

Veranstaltungsort:

Raum: SFG 2010

Bremen
Uhrzeit:
10:00 - 12:00
Semester:
WiSe 2012/13

Michel Foucault ist unstrittig einer der wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts und seine Schriften wurden vor allem seit der posthumen Veröffentlichung seiner Vorlesungen für politische Analysen fruchtbar gemacht. Aber lässt sich eine politische Philosophie in ihnen finden? Seine Deutung des Zusammenhangs von Politik und Philosophie ist jedenfalls heftig umstritten – weil verschiedene Interpretationen vorgebracht werden, aber auch, weil die Mehrzahl von ihnen im scharfen Kontrast zum „Mainstream“ der politischen Philosophie steht.

Im Seminar werden einige der Primärtexte im Zentrum stehen, die zu diesen Kontroversen Anlass geben, doch soll das Seminar zugleich den Einstieg in Foucaults Texte erleichtern. Deshalb werden zunächst die wichtigsten Grundbegriffe – u.a. Wissen und Diskurs, Macht und Biopolitik, Subjektivierung und Selbsttechniken – erarbeitet. Erst auf ihrer Grundlage lässt sich die Perspektive rekonstruieren, die Foucault anbietet, um über politische Fragen und Ereignisse nachzudenken. Und erst mit ihrer Hilfe lässt sich fragen, was die politische Philosophie Foucaults, so es sie gibt, sein könnte.

Veranstaltungsort:

Raum: SFG 2010

Bremen
Uhrzeit:
10:00 - 12:00
Semester:
WiSe 2012/13

Das Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie ist nicht erst seit der Finanz- und Schuldenkrise ein prekäres, aber in den letzten Jahren ist diese Tatsache erneut und mit Macht ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Während Bundeskanzlerin Merkel zuversichtlich ist, dass „wir Wege finden [werden], die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist“ (Presskonferenz am 1. September 2011), sich also bemüht, das Verhältnis in Richtung einer marktkonformen Demokratie aufzulösen, fordert Attac, die Demokratie anstatt der Märkte zu entfesseln. Jeweils wird vorausgesetzt, dass Kapitalismus und Demokratie nur schwer, wenn überhaupt miteinander vereinbar sind. Damit scheint der Glaube an eine „Friedensformel“ (Offe) wie den Sozialstaat, der einen demokratischen Kapitalismus erlauben sollte, endgültig erschöpft.

Das Seminar will im historischen Durchgang durch Positionen und Debatten beleuchten, wie unterschiedlich diese schwierige Beziehung von Kapitalismus und Demokratie gedacht wurde. Zugleich liefert es Einblicke in die Verknüpfungen von Demokratietheorie und politischer Ökonomie.

Veranstaltungsort:
FVG
Raum: W0060

Bremen
Uhrzeit:
12:00 - 14:00
Semester:
SoSe 2013

Feministische politische Philosophie kennt zwar bevorzugte Themen – die mit der Geschlechtergerechtigkeit, der Politisierung des vermeintlich Privaten oder den Debatten um Pornographie oder Abtreibung längst nicht erschöpft sind –, doch lässt sie sich als Theoriefeld nicht über ihre Inhalte bestimmen. Denn eine ambitionierte feministische politische Philosophie intendiert eine andere politische Philosophie, indem sie die Fragen zur Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts und deren Überwindung in ihrer wissenschaftlichen Vorgehensweise verankert. Die so erzeugten Spannungen zu einem traditionellen, wertfreien oder neutralen Wissenschaftsverständnis werden bewusst in Kauf genommen und erzwingen eine zusätzliche Reflexionsebene. Das Seminar will daher in der Lektüre klassischer Texte der feministischen politischen Philosophie neben den konkreten Inhalten jeweils die methodologischen Implikationen untersuchen, die sich mit dem Anspruch feministischer Intervention in der politischen Theorie verbinden. Denn nicht zuletzt bedeutet feministische politische Philosophie eine Politisierung von Theorie.

 

Literatur zur Vorbereitung:

Beauvoir, Simone de (1999 [1949]): Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Übersetzt von Uli Aumüller und Grete Osterwald. Reinbek: Rowohlt.

Becker-Schmidt, Regina/Knapp, Gudrun-Axeli (2011): Feministische Theorien zur Einführung. 5., erg. Aufl. Hamburg: Junius.

Butler, Judith und Joan W. Scott (Hrsg.) (1992): Feminists theorize the politicalNew York/London: Routledge.

Haraway, Donna 1988: »Situated Knowledges. The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective«, in: Feminist Studies 14. 3, S. 575-599.

Nagl-Docekal, Herta (2010): Feministische Philosophie. In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 302–311.

Rössler, Beate (1996): »Feministische Theorien der Politik«, in: Klaus von Beyme und Claus Offe (Hrsg.): Politische Theorien in der Ära der Transformation. Opladen: Westdeutscher Verlag, 267–291.

 

Art der Prüfungsleistung (CP):

MPL: Referat + Ausarbeitung (5 S eiten)

GPL: Hausarbeit (15-20 Seiten)

Veranstaltungsort:
GW2
Raum: B2335a

Bremen
Uhrzeit:
16:00 - 18:00
Semester:
SoSe 2013

Der Begriff der Verantwortung hat eine spektakuläre Karriere hinter sich. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ein eng beschränktes Konzept der Rechtsprechung, hat er sich seither sowohl in der Alltagssprache als auch in den verschiedensten Wissenschaften verbreitet. Doch so vertraut das Konzept politischer Verantwortung scheint, so wenig bekannt ist ihre Entstehung in den politischen Debatten frühliberaler Denker. Das Seminar beginnt daher mit einer Untersuchung der Anfänge des Verantwortungsbegriffs in den Artikeln der Federalist, der französischen Liberalen und des deutschen Vormärz. Erst danach lässt sich der beeindruckende Aufstieg von Verantwortung in den verschiedenen politischen Kontexten verstehen: in Max Webers Verantwortungsethik, in den Bemühungen zur Vergangenheitsbewältigung nach dem zweiten Weltkrieg (Karl Jaspers), in den moralischen Reflexionen für eine nachhaltige Politik (Hans Jonas) bis hin zu den gegenwärtigen Entwicklungen des Konzepts einer „responsibility to protect“ in den internationalen Beziehungen.
 
Literatur zur Vorbereitung:

Bayertz, Kurt (1995): Eine kurze Geschichte der Herkunft der Verantwortung. In: ders. (Hrsg.): Verantwortung. Prinzip oder Problem? Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 3–71.

McKeon, Richard (1957): The Development and the Significance of the Concept of Responsibility. In: Revue Internationale de Philosophie 39 (1), 3–32.

Weber, Max (1988 [1919]): Politik als Beruf. In: ders.: Gesammelte politische Schriften. Hrsg. Von Johannes Winckelmann. Tübingen: Mohr Siebeck, 505–560.

Seminar

Demokratie und Wahrheit

Dr. Frieder Vogelmann15.10.2013 - 28.01.2014
Veranstaltungsort:
GW2
Raum: B3850

Bremen
Uhrzeit:
12:00 - 14:00
Semester:
WiSe 2013/14

Die Beziehung zwischen Wahrheit und Demokratie war immer schon eine problematische: Während die Demokratie einerseits Wahrheit zu ignorieren scheint, weil in ihr nicht die Wahrheit, sondern die Mehrheit regiert, gilt sie andererseits als „Wahrheitsmaschine“, indem sie Deliberation vor Entscheidung verlangt. Doch dieser Gegensatz deckt nur jene Überlegungen ab, die Wahrheit unhinterfragt voraussetzen; von der Demokratie aus gesehen, droht zu viel Wahrheit umzuschlagen in Technokratie, Expertokratie oder die Herrschaft von Philosophenkönigen. Gleichwohl kann die Demokratie auf die Macht der Wahrheit nicht verzichten. Diese und weitere Facetten der problematischen Beziehung zwischen Wahrheit und Demokratie sollen im Zentrum des Seminars stehen.

Veranstaltungsort:

Raum: B0100

Bremen
Uhrzeit:
12:00 - 14:00
Semester:
WiSe 2013/14

The revival of political philosophy in the 20th century is to no small extended due to the work of John Rawls. Published in 1971, “A Theory of Justice” first offered a conception of justice as fairness that Rawls later works – “Political Liberalism” and “The Law of People” – further developed, refined and generalized to the international sphere. Thirty years later, in “Justice as Fairness: A Restatement”, Rawls integrates his later work systematically into to a restatement of his theory of justice. Thus, this book serves as an ideal entry into Rawls’ thought.

The seminar is designed as a reading class: Although we will of course pay attention to important criticisms and developments, the focus is on reading and discussing Rawls book.

Veranstaltungsort:

Raum: GW2 B1580

Bremen
Uhrzeit:
10:00 - 12:00
Semester:
SoSe 2014

Was tut Politische Theorie – und wie tut sie es? Bereits die Frage verdeutlicht, wie schwierig es fällt, von „Methoden“ der Politischen Theorie zu sprechen, ist doch nicht einmal klar, welches ihre Gegenstände sind. Weil Gegenstände und die zu ihrer Erforschung genutzten Methoden in keiner rein äußerlichen Beziehung zueinander stehen, wird sich das Seminar mit der Frage, wie Politische Theorie vorgeht, zugleich der Frage widmen, was Politische Theorie überhaupt ist.

Während dazu im ersten Teil des Seminars theoretische Texte gelesen, widmet sich der zweite Teil des Seminars einem in allen Antworten auf die beiden Fragen immer wieder aufscheinendem Thema: der Sprache. Auch hier werden einerseits theoretische Reflexionen des Umgangs mit Sprache in der Politischen Theorie wichtig sein; andererseits aber soll das Seminar sich auch praktisch diesem Thema widmen. Wie liest und schreibt man (in) Politische(r) Theorie?

[Zum Vorlesungsverzeichnis]

Veranstaltungsort:

Raum: GW1 A0160

Bremen
Uhrzeit:
10:00 - 12:00
Semester:
SoSe 2014

In Jürgen Habermas‘ komplexem philosophischem Werk besetzt die politische Philosophie wenn nicht das, so doch ein Zentrum. Allerdings hat er selbst immer wieder Umbaumaßnahmen vorgenommen und seine Antworten auf Fragen nach dem demokratischen Rechtsstaat, dem Zusammenhang von Demokratie und Kapitalismus sowie der Politik jenseits des Nationalstaats ständig im Lichte sowohl von Fach- als auch öffentlichen Diskussionen weiterentwickelt. Die letzte große theoretische Anstrengung war Faktizität und Geltung (1992), dessen Rechtsphilosophie das Rückgrat von Habermas‘ (gegenwärtiger) politischer Philosophie bildet. Das Seminar wird mit einer intensiven Auseinandersetzung ausgewählter Teile von Faktizität und Geltung beginnen, um dann einzelne thematische Fragen (z.B. zu Europa oder zum demokratischen Kapitalismus/zur kapitalistischen Demokratie) und wichtige Kritiken bzw. Weiterführungen in den Blick nehmen.

[Zum Vorlesungsverzeichnis]

Veranstaltungsort:
UNICOM
Raum: 2210

Bremen
Uhrzeit:
10:00 - 12:00
Semester:
WiSe 2014/15

Macht ist ein Grundbegriff der Politikwissenschaft – aber was ist »Macht«? Seit den Anfängen des politischen Denkens ist Macht immer wieder anders gedacht und diskutiert worden. Weil der verwendete Begriff der Macht einen fundamentalen Unterschied in der Analyse politischer Phänomene bedeutet, wollen wir die gegenwärtigen, komplexen Diskussionen um den Machtbegriff vor dem Hintergrund der verschiedenen Machttheorien verständlich machen, die im Laufe der Zeit in der Politischen Theorie vorgeschlagen worden sind, von Hobbes, Spinoza und Locke über Weber bis hin zu Arendt und Foucault.

Veranstaltungsort:
SuUB
Raum: 4330 (Studio I Medienraum

Bremen
Uhrzeit:
12:00 - 14:00
Semester:
WiSe 2014/15

Ist Demokratie nicht allein der Name einer Regierungsweise, so haben in den letzten Jahren eine Reihe radikaler Demokratietheorien argumentiert, sondern ein ständiger Aufstand gegen den Staat (Abensour), der wahre Name der Politik als Unterbrechung (Rancière) oder ein Ereignis, dem es die Treue zu halten gilt (Badiou), dann birgt Demokratie stets ein anarchisches Element in sich. Diese (und andere) Theorien heben einen Moment der Unregierbarkeit hervor, der konstitutiv für die Demokratie sein soll. Aus einer anderen Richtung hat sich der Anarchismus mit demokratischen Organisationsformen beschäftigt, um zu erkunden, wie sich demokratische Selbstorganisation ohne staatliche Repressionsapparate denken und realisieren lässt.

Das Seminar fragt insofern sowohl nach der notwendigen Anarchie, die jeder Demokratie innewohnt, als auch nach demokratischen Potentialen im Anarchismus. Das Ziel ist, das Verhältnis von Demokratie und Anarchismus besser zu verstehen – und damit auch den so wertvollen wie fragilen Moment der Unregierbarkeit.